Rätselraten um einen Flugzeugtyp
Mit den Postflügen
zwischen Berlin und Weimar während der Nationalversammlung im Jahre 1919 hatte
der deutsche Luftpostdienst begonnen.
Zum 25.Jahrestag erschienen 1944 drei Postwertzeichen (MiNr. 866-868).
Davon zeigt
die Marke MiNr.867 ein Wasserflugzeug, das als Langstreckenpostflugzeug der
Lufthansa für den Transatlantikdienst vorgesehen war.
Um dieses Flugzeug hat es viel Rätselraten gegeben.
Im MICHEL-Katalog
wurde die Abbildung immer wieder neu beschrieben:
Blohm & Voss Ha138, Dornier Do-26, Blohm & Voss
BV-139 (richtig wäre gewesen: Ha-139).
Dann fand sich in der Literatur (Dahmann, Flugzeugtypen auf Briefmarken) der
Hinweis: Blohm & Voss BV-200.
Zu dieser Deutung kam auch Karl Heinz Wagner im Mitteilungsblatt "Luftfahrt"
Nr.2 von 1977, Seite 28.
Geklärt war die
Angelegenheit damit aber noch nicht. Die BV-200 war nämlich lediglich das nicht
realisierte Projekt P-200 eines Flugbootes mit der geplanten Werksnummer BV-726.
Richtig wäre demnach die Bezeichnung P-200 (BV-726) gewesen.
Das Flugboot sollte mit acht BMW-Motoren an den Flügel- Vorderkanten ausgerüstet
werden.
Damit stimmt aber die letzte Bildbeschreibung auch nicht.
In der Buchreihe "Werks-Chroniken" des Luftfahrt- Verlages Walter Zuerl befasst
sich der Band 8 mit den Produkten des Hamburger Flugzeugbau (HFB)/Blohm & Voss
(BV).
Deren Flugzeuge wurden, je nach Firmennamen, teilweise mit "Ha-" und teils mit
"BV-" gekennzeichnet.
Aus der Broschüre geht die genaue Firmengeschichte hervor.
Im Vorwort zu dieser Broschüre wird erklärt, die technischen Angaben könnten
als offizielle Werte angesehen werden,
weil sie seinerzeit von den Chefkonstrukteuren bestätigt worden seien. Zweifel
an der Authentizität der Angaben dürften also nicht aufkommen.
Die Marken-Abbildung
zeigt nun ein Wasserflugzeug mit (mindestens) sechs Kolbenmotoren mit Zug- und
Druckpropellern.
Ein Flugzeug mit dieser Auslegung ist aber weder als Projekt, noch als Prototyp,
noch gar als Serienbau bei Blohm & Voss oder bei einem anderen Hersteller nachzuweisen.
Deshalb ist anzunehmen, dass es sich um ein Phantasie-Bild handelt, vielleicht
wie eine Ideen-Skizze, wie es auch sonst gelegentlich vorkommt.
Auszuschließen ist jedenfalls, dass es sich um ein Produkt von Blohm & Voss
handeln könnte.
Wer diesen Flugzeugtyp
aus anderen Quellen vielleicht doch noch zu definieren vermag, hätte eigentlich
einen "Motiv-Forschungs-Preis" verdient!
Aus der Michelrundschau 11/1990
Mitgeteilt 04/2005
von Eugeny Godin
Vielen Dank